Vor 192 Jahren beginnt Inklusion mit der Brailleschrift

Als am 4.Januar 1809  in Coupvray Louis Braille geboren wird, war den frischgebackenen Eltern sicherlich nicht klar, dass ihr Sohn einmal Großes für die Inklusion von Blinden leisten wird: Die Entwicklung der ersten weltweit verbreiteten Schrift für Blinde. Der heutige Welttag der Brailleschrift soll an seine Leistung vor 192 Jahren erinnern.

Anfangs entwickelte sich Louis normgerecht, er galt als neugieriges und aufgewecktes Kind. Genau diese Eigenschaften waren sein verhängnis, denn mit drei Jahren verletzte er sich mit einem Schusterwerkzeug am Auge. Das geschädigte Auge entzündet sich, infiziert mit der Zeit auch das gesunde Auge und sorgt für die Erblindung des kleinen Louis. Von nun an musste er sich komplett umgewöhnen: Seine vier verbliebenen Sinne schärften sich zwar, aber an eine Teilhabe in der Gesellschaft war für den Sohn eines Schusters kaum zu denken. Auch war die Gesellschaft kaum aufgeschlossen gegenüber behinderten Menschen, ganz im Gegenteil. Behinderungen führten sehr häufig in der Bevölkerung zum Ausschluss aus der Gesellschaft!

Begründer der Brailleschrift
Louis soll sehr wissbegierig gewesen sein, verlangte häufig vorgelesen zu bekommen. Möglicherweise war dieser Umstand daran schuld, dass Louis Braille bereits in jungen Jahren über eine Schrift für Blinde nachdachte. Seine Eltern unterstützten ihn bei seinen Bemühungen, ermöglichten ihm Kontakte zu anderen Blinden und Lehrern, die mit Blinden arbeiteten. Mit 11 Jahren lernte er die für militärische Zwecke entwickelte Nachtschrift kennen, die aus einem komplizierten System von Punkten bestand. Durch ertasten der Punkte konnten Soldaten im Dunkeln Befehlstexte lesen und anschließend umsetzen. Diese Nachtschrift bildete die Grundidee für die von Louis Braille entwickelte Blindenschrift. Braille reduzierte die Anzahl der Punkte pro Buchstabe auf sechs Punkte, verzichtete auf Groß- und Kleinschreibung. Es dauerte rund fünf Jahre, bis Braille 1825 sein Schriftsystem fertiggestellt hatte. Es basiert auf einem Punktmuster, das, meist von hinten in das Papier gepresst, mit den Fingerspitzen als Erhöhungen zu ertasten ist.

Blindenschriftkarte von 1915

Obwohl die nach seinem Entwickler benannte Brailleschrift, kurz Braille, leicht zu erlernen und einfach zu schreiben war, konnte sie sich anfangs nicht durchsetzen. Viele Lehrer von Blinden standen der Brailleschrift kritisch gegenüber, sahen in diesem Schriftsystem eher eine Ausgrenzung aus der Gesellschaft, da ja nur Blinde diese Schrift lesen könnten.

Finger beim Lesen der Brailleschrift

Zeit seines Lebens versuchte Louis Braille seine Blindenschrift zu etablieren, entwickelte sogar eine entsprechende Notenschrift für blinde Musiker. Erst kurz vor seinem Tod 1850 wurde die Brailleschrift zumindest in französischen Blindenschulen flächendeckend eingesetzt.
Den internationalen Durchbruch für die Brailleschrift blieb Louis Braille zu Lebzeiten leider verwehrt, er verstarb am 06. Januar 1852 in Paris an Tuberkulose.
Der internationale Durchbruch folgte nur wenige Jahrzehnte später, in Deutschland wurde die Brailleschrift 1879 offiziell eingeführt. Heute ist die Brailleschrift die Möglichkeit für Blinde und Sehbehinderte, zumindest an Teilen des gesellschaftlichen Lebens teilzuhaben. Neben der Vielfalt der Druckerzeugnisse können sie so auch Stadtpläne, Schilder oder Hinweise auf Produkten lesen!

öffentlicher Stadtplan von Lüneburg

Nicht ganz ernstzunehmendes Schild …

Information auf der Dose!

Dies war eine gut gemeinte und vor allem erfolgreiche Maßnahme zum Inkludieren der vielen Sehbehinderten und Blinden durch einen Betroffenen! Ohne seine lebenslangen Aktivitäten hätte sich die Blindenschrift so nicht durchgesetzt. Daran soll uns der heutige Welttag der Brailleschrift zum 129. mal erinnern!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.