Heute ist … der Tag der Muttersprache

Haben Sie es gewußt? Seit dem 21. Januar 2000 rufen die Vereinten Nationen (UN) jährlich den „internationalen Tag der Muttersprache“ aus, um auf das weltweite Verschwinden von regionalen Sprachen hinzuweisen. Nach Angaben der UNESCO sind von 6000 weltweit gesprochenen Sprachen die Hälfte in ihrem Bestand bedroht!

Die Muttersprache ist für eine Gesellschaft von großer Bedeutung, sorgt sie doch für deren Einheit und Zusammenhalt. Sie ist mehr als nur ein Kommunikationsmittel, sie ist ein kulturelles Gut und fördert damit das Bewußtsein für sprachliche und kulturelle Traditionen. Deshalb finden sich häufig Begriffe in der einen Sprache, die in einer anderen Sprache fehlen.

Vor diesem Hintergrund hat sich die UNESCO zum einen die Förderung von Sprachen als Zeichen der kulturellen Identität der Sprechenden auf die Fahnen geschrieben, zum anderen geht es ihr aber auch um die Mehrsprachigkeit als Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis und Respekt auf der Erde. Der jährliche Gedenktag wird genutzt, um die Aufmerksamkeit auf Minderheitensprachen mit weniger als 10.000 Sprechern zu lenken. Vielfach werden diese Sprachen nicht mehr an die nachfolgenden Generationen weitergegeben und geraten so in Vergessenheit. Viele Sprachen mit teilweise weniger als hundert Sprechern sind weltweit zum Teil noch nicht einmal erfasst und dokumentiert.

Sorbisch zählt beispielsweise zu diesen Sprachen, die regional begrenzt auf die Lausitz (Region in Sachsen / Brandenburg) gesprochen wird. Es handelt sich dabei um eine slawische Sprache, die ausschließlich in der Lausitz noch gelehrt und gesprochen wird.

Sie ist nicht mit den vielen verschiedenen, in Deutschland verbreiteten Dialekten zu vergleichen. Doch auch diese gehen zugunsten der mittelhochdeutschen Sprache verloren – es sei denn, sie werden wie in Köln aufwändig durch Kursangebote am Leben gehalten!

Der Ursprung dieses „Tages der Muttersprache“ findet sich im 21. Februar 1952: Damals wurde durch die Regierung des neu begründeten Pakistans in der Hauptstatdt Karatschi (heute: Islamabad) beschlossen, die Sprache Urdu zur Amtssprache zu erheben. Diese wurde aber nur von rund 3 Prozent der Bevölkerung gesprochen, während über 56 Prozent der Gesamtbevölkerung West- und Ostpakistans Bengali als Muttersprache erlernten. Hinzu kam, dass Urdu ausschließlich von der beherrschenden Klasse gesprochen wurde.
Dieser Beschluss rief in Ostpakistan die „Bewegung für die Bengalische Sprache“ hervor, denn hier sprachen weit über 90 Prozent der Bevölkerung Bengali.Sie organisierten Demonstrationen, nahmen politische Aktionen auf und sorgten dafür, dass 19526 neben Urdu auch Bengali als offizielle Amtsprache festgelegt wurden. Dennoch blieb die massive wirtschaftliche und politische Benachteiligung Ostpakistans weiter bestehen und führte 1971 zu einem Bürgerkrieg, welcher mit der Unabhängigkeitserklärung des heutigen Bangladesch mit der Landessprache Bengali endete.

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